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Ob in den Straßen von Paris, ob in der arabischen Welt, oder in Schulen der Vereinigten Staaten von Amerika und auch hierzulande: Über eine lange Zeit aufgestaute Wut sprengt sich rasend Bahn. Die Ursachen sind verschieden, die Auswirkungen sind gleichermaßen verheerend.

Amok bezeichnet einen inneren Zustand. Der Begriff leitet sich her von dem malaiischen Wort „Amuk“ – wütend, rasend. Längst sind das keine einzelnen Phänomene mehr. Die Gefahr ist groß, wenn Raserei zur letzten Möglichkeit der Artikulation der Verzweifelten wird. Ein brennendes Asylheim in Brandenburg wird zum Fanal. Menschen, die in ihren Nöten und Frustrationen andernorts kein Gehör finden, reagieren sich brutal auf Kosten der Leben anderer Menschen ab: wie grausam ist das!

Zunächst ziehen sich die Wütenden in sich selbst zurück, oder sie bilden Gruppen, errichten eine Festung im Kopf. Darin formieren sie sich gegen andere, definieren Feindbilder. Es kommt zum Ausbruch in blinder Raserei.

Bei der Arbeit zu Amok II goss ich über 120 Kilogramm siedend heißes Blei auf den Stein, auch ein brutaler Akt, durch das Thema provoziert. Blei umklammert den Kopf, an der anderen Seite bricht es heraus. Eine Serie von sieben Arbeiten entstand bisher. Die Reihe ist noch nicht abgeschlossen.

Marcus Golter, 2007